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Kirche gehört zur Kinderwelt


13. August 2026

Vom 13. bis 17. Juli wurde das Gelände der Erich-Ohser-Grundschule in Plauen wieder zu einer ganz besonderen Stadt. Rund 300 Kinder konnten hier für eine Woche erleben, was es heißt, eine Stadt nicht nur zu bewohnen, sondern selbst mitzugestalten. Die Kinderstadt ist ein Planspiel für Sieben- bis Zwölfjährige. In diesem Jahr gaben die Kinder ihrer Stadt selbst den Namen „Kinderwelt“.

In der Kinderwelt gibt es vieles, was auch zu einer richtigen Stadt gehört. Es gibt ein Rathaus und eine Sparkasse. Es gibt unterschiedliche Arbeitsplätze und Gewerke. Vor allem aber entscheiden die Kinder selbst, wo sie sich einbringen möchten. Erwachsene begleiten und unterstützen sie dabei, ohne ihnen jeden Schritt vorzugeben. So entsteht ein eigener Kreislauf aus Arbeiten, Geldverdienen und Freizeit. Ganz nebenbei wird erfahrbar, wie Zusammenleben funktioniert und warum es Regeln, Verantwortung und Beteiligung braucht.

Getragen wird die Kinderstadt vom Kinderschutzbund Ortsverband Plauen. Gemeinsam mit den Plauener Horten und zahlreichen Partnern entsteht so jedes Jahr für einige Tage eine Stadt nach den Vorstellungen und mit der Beteiligung von Kindern. Das Projekt wird durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ gefördert.

Zum zweiten Mal waren auch wir als Kirche mittendrin. Der Kirchgemeindebund Plauen beteiligte sich gemeinsam mit der katholischen Herz-Jesu Kirche und der Arbeitsstelle Kinder-Jugend-Bildung des Kirchenbezirkes. Wie bereits im vergangenen Jahr lag die Leitung und Organisation bei Pfarrerin Ellen Meinel. Sie führte im Vorfeld die Absprachen mit dem Kinderschutzbund und koordinierte die Zusammenarbeit mit den weiteren Beteiligten. In Teams fanden wir uns, um die Tage gemeinsam zu gestalten. Wir danken ausdrücklich auch denen, die uns bei Auf- und Abbau des großen Kirchenzeltes unterstützt haben.

Unser Arbeitsplatz in der Kinderwelt war die Holzwerkstatt. Hier wurde gesägt und gebohrt. Es wurde geschraubt und geschliffen. Die Kinder konnten selbst Hand anlegen und erleben, wie aus einem Stück Holz Schritt für Schritt etwas Eigenes entsteht. Reifenfiguren wurden zu Anhängern. Kleine Geduldsspiele forderten Geschick. Auch ein Teelicht-Fisch konnte in der Werkstatt gebaut werden. Ein besonderes Gemeinschaftsprojekt war ein „echter Kirchturm“. Eine Idee von Didi Moosdorf, der dafür eine Menge Europaletten besorgte und den Bau vorantrieb. Damit bekam die Kirche in der Kinderstadt nicht nur im übertragenen Sinn einen sichtbaren Platz.

Ein zweites Highlight führte hinüber in die Plauener Johanniskirche. Beim Orgel-Trip machte sich eine junge Reisegruppe auf den Weg zu Kantor Heiko Brosig. Dort wartete keine Führung zum stillen Zuhören. Die Kinder durften die Orgel interaktiv entdecken. Sie kamen dem großen Instrument ganz nah und erfuhren, wie seine Klänge entstehen.

Zur Kinderwelt gehörte natürlich auch eigenes Geld. Wer in einem der Gewerke arbeitete, verdiente 6/7-Coins. Diese konnten anschließend wieder ausgegeben werden. Zum Beispiel für Pizza und Getränke oder für Dinge, die zuvor an anderen Arbeitsplätzen der Kinderwelt hergestellt worden waren. Damit wurde für die Kinder ganz praktisch erfahrbar, was es bedeutet, für etwas zu arbeiten und mit dem eigenen Verdienst Entscheidungen zu treffen. Die eigene Währung gehörte bewusst zum pädagogischen Konzept der Kinderstadt.

Bei uns gab es noch eine weitere Möglichkeit für die 6/7-Coins: Sie konnten gespendet werden. Dafür stand in der Holzwerkstatt ein Kollektenkasten bereit. Die dort gesammelten Coins sollten nach dem Ende der Kinderwelt an das Kinderhilfswerk gespendet werden. Aus dem selbst verdienten Geld wurde damit etwas, das anderen Kindern zugutekommt.

Genau darin liegt eine besondere Stärke der Kinderstadt. Kinder erleben hier, dass ihre Entscheidungen zählen. Sie dürfen mitbestimmen. Sie können Verantwortung übernehmen und erfahren ganz praktisch, dass zu einem guten Zusammenleben Rechte und Regeln gehören.

Als Kirche möchten wir Kindern ebenso Orte bieten, an denen sie ernst genommen werden und ihre Fähigkeiten entdecken können. Orte, an denen sie erfahren: Ich bin wichtig. Meine Stimme zählt. Ich kann etwas gestalten. Und ich trage Verantwortung. Darin begegnen sich die Idee der Kinderstadt und das, was Kirche sein will. Gemeinschaft lebt davon, dass Menschen beteiligt werden. Sie lebt von Respekt und Vertrauen. Sie braucht die Bereitschaft zu teilen und füreinander einzustehen.

Das Miteinander und die vielen Gespräche mit Kindern, aber auch pädagogischen Mitarbeiterinnen, Schulbegleitern oder Vereinsmitgliedern sind unbezahlbar. Wir freuen uns schon aufs nächste Jahr!

Ulrike Pentzold

Bezirkskatechetin, Diakonin im Ev.-Luth. KBZ Vogtland
Leitung Arbeitsstelle Kinder-Jugend-Bildung Unterstützung Fachbereich Prävention

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