Nachrichten

Zukunft im Blick – Fragen teilen, Wege finden


12. August 2026

„So wie früher funktioniert es nicht mehr selbstverständlich.“ Diese Erfahrung bildete einen wichtigen Ausgangspunkt der diesjährigen Jahrestagung von Gemeindepädagogik und Kirchenmusik. Zum zweiten Mal kamen beide Berufsgruppen in diesem gemeinsamen Format zusammen. Wobei „beide“ eigentlich nicht ganz stimmt: Mit der Jugendarbeit war eine dritte Berufsgruppe mit im Boot, die ihre eigenen Erfahrungen, Fragen und Perspektiven in die gemeinsamen Tage einbrachte. Unter dem Thema „Zukunft im Blick – Fragen teilen, Wege finden“ ging es in der letzten Schulwoche,  drei Tage lang um Veränderungen in Kirche und damit auch unseren Arbeitsfeldern.

Schon zu Beginn standen die eigenen Erfahrungen im Mittelpunkt: Was verändert sich gerade viel zu schnell – und was vielleicht viel zu langsam? Wo stoßen wir bei Nachwuchsgewinnung, Ehrenamt, Gottesdienstformen, Familienarbeit, musikalischen Angeboten oder neuen Zielgruppen an Grenzen? Und wo entdecken wir zugleich neue Kooperationen, projektbezogenes Engagement, generationsübergreifende Initiativen oder neue musikalische Formate, die Hoffnung machen?

Einen inhaltlichen Schwerpunkt setzte Tabea Schönfelder mit Impulsen zu Theorie und Theologie der Transformation. Dabei ging es auch um innere und äußere Widerstände und um die gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen kirchliche Arbeit heute stattfindet. Am Nachmittag wurde es praktisch: Unter dem Stichwort Kontextanalyse rückte die Frage in den Mittelpunkt, wie gut wir eigentlich die Menschen und Orte kennen, für die und mit denen wir Kirche gestalten.

Um dies exemplarisch zu üben, machte sich die Tagungsgruppe auf den Weg, einen Ort bewusst aus unterschiedlichen Perspektiven wahrzunehmen. Wie würden Kinder fotografieren? Was würde Touristen auffallen? Was sehen ältere Menschen? Welche zehn Dinge erscheinen schön – und welche vielleicht hässlich? Die Idee war, einen Ort mit anderen Augen zu betrachten. So unterschiedlich werden Menschen ihre Umgebung erleben. Darin lag eine Erkenntnis der Tagung: Gelingende Transformation beginnt mit Interesse an den Menschen. Neben der Frage, welche Angebote Kirche künftig machen sollte, gilt es genauer hinzusehen, zu hören und zu verstehen, wie Menschen leben und was sie von Kirche überhaupt wahrnehmen.

Workshops brachten Anregungen für die Praxis. KMD Hannes Sonntag arbeitete mit den Teilnehmenden zu musikalischen und rhythmischen Aktionen für Kinder und Jugendliche. Heiko Ullmann stellte neues Material für die Öffentlichkeitsarbeit im Religionsunterricht vor.  Bei einem Walk and Talk, kamen Bewegung und Gespräch zusammen.

Am letzten Vormittag wurde der Blick noch einmal geweitet. Im Gespräch mit Vertretern des Landeskirchenamtes ging es um Veränderungen in den unterschiedlichen Arbeitsfeldern Gemeindepädagogik, Jugendarbeit, Kirchenmusik und Schule. Mit dabei waren Landeskirchenmusikdirektor Burkhard Rüger, Landesjugendpfarrer Georg Zimmermann und Wolfram Alber, Referent für Erwachensenarbeit und Medienarbeit. Gefragt wurde sehr konkret: Wo liegen derzeit die größten Fragezeichen? Welche Veränderungen belasten? Und wo gibt es Entwicklungen, die Hoffnung machen und die Arbeit unterstützen?

Neben den fachlichen Impulsen waren es aber doch die Begegnungen zwischen Gemeindepädagogik, Jugendarbeit und Kirchenmusik, die die Tage geprägt haben. Besonders bewegend waren die gemeinsam gestalteten Tagzeitengebete.

Zu unserer Jahrestagung gehören aber nicht nur Themen, Impulse und Zukunftsfragen, sondern die Menschen, die diese Arbeit tragen. So wurden neue Mitarbeitende herzlich begrüßt – und zugleich hieß es Abschied zu nehmen von Barbara Dude und Christian Schlotterbeck. Ein solcher Abschied lässt sich nicht einfach als Programmpunkt abhaken. Mit Dankbarkeit für das, was beide eingebracht und an Spuren hinterlassen haben, war auch Wehmut zu spüren. Wo Menschen miteinander gearbeitet, gedacht, gelacht, geglaubt und Gemeinde gestaltet haben, entsteht Verbundenheit. Umso herzlicher waren der Dank und die guten Wünsche für das, was nun vor ihnen liegt.

Am Ende der Tagung standen dennoch weniger fertige Konzepte, dafür eher persönliche Impulse, neue Fragen und Blickwinkel. Vielleicht passt gerade das zum Thema Transformation: Zukunft entsteht nicht dadurch, dass wir schon alle Antworten kennen. Sie beginnt dort, wo wir Menschen aufmerksam wahrnehmen, Fragen miteinander teilen und uns gemeinsam auf den Weg machen.

Ulrike Pentzold

Bezirkskatechetin, Diakonin im Ev.-Luth. KBZ Vogtland
Leitung Arbeitsstelle Kinder-Jugend-Bildung Unterstützung Fachbereich Prävention

Beteiligen Sie sich an der Diskussion

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.